Shortstory Saturday: Fabrik

Gekleidet in schwarz, von den isolierenden schwarzen Gummistiefeln, Gummihose zum Annorak bis über das Haar hin zur Mütze, die die schwarzen stacheligen Haare verbarg. Unrasiert, mit Kotletten und am Ohr ein schwarzes Plug. Emilio starrte auf die schwarzberusten schwarzen Sicherheitshandschuhe. Stille, ein Moment voller nichts und dann „Pressen“, brüllte eine Stimme gegen seinen Rücken. „Pressen habe ich gesagt, bist du Taub?“, er, Vorarbeiter West packte ihn an der Schulter und drehte Emilio um 180° mit dem Gesicht zu sich. „Presse…“, Emilios würdige Augen waren Pinnadelklein, weiß und ohne Ausdruck. „Herr Hefaistoi, sind sie da? Geht es ihnen gut?“, kam nun besorgniserregt aus dem Mund des Vorarbeiters West.

„Ich war gerades nur irgendwie..“, antwortet Emilio stotternd, kurz vor seiner Unterbrechung.

„Pressen habe ich gesagt und dass ich mich nicht noch einmal wiederholen muss“.

Daraufhin machte sich der junge, stark gebaute Emilio zusammengerafft wieder an die Arbeit. Ein Kollege Emilios, ebenfalls Uniform hatte sich mittlerweile den Feierabend verdient. „Harte Arbeit zahlt sich aus Bruder“, sprach seine Müde Stimme ächzend zu Emilio bevor er das Gebäude verließ. „Leif“, dachte sich Emilio, „Leif hat jetzt frei. Leif geht jetzt sicher gemütlich auf dem Nachhauseweg ein Feierabendbier am Büdchen kaufen und kann dann Zuhause entspannt vor dem Sessel die neue Folge …“, schwelgend in Gedanken und sich nach der zuhauselichen Auszeit sehnend betätigte Emilio einen Hebel. Sein Job war es zu warten bis ein Werkstück die Presse erreichte, fortfolgend den ersten Hebel Umzulegen und danach den Selbigen wieder zu lösen. Um die vorher runtergestampfte Presse wieder hochzufahren und sie in ihre Ausgangsposition zu bringen. Hebel wieder hochlegen, so dass die Presse wieder hoch fährt. Und erst dann sieht Er wann der nächste Pressvorgang wieder initiiert werden darf. Wenn das selbe gelbe Licht des Monitors sich also grün färbt, beginnt erneut der Vorgang.

„Nurnoch sieben weitere Stunden“, erwartete Emilio hoffnungsvoll. Und er presste, presste und presste, bis es nur noch sechs Stunden waren, fünf Stunden waren, vier Stunden waren. Souverän presste er, im Flusse der Manufaktur gefesselt, bis eine Sirene sein werken Unterbrach. Ein schrilles Läuten, drei mal. Laut wie ein Bohrhammer spaltete es seine Ohren bis zur Schmerzensgrenze. Turbulent ragte Emilios Hals aus der Maschinerie hervor, die Pause schlug an, fünfzehn Minuten Zeit für die Dosis Nikotin. Eine Zigarette um die Dröhnung seines Kopfes zu verschmerzen. Ausgelaugt und blass waren seine Mitarbeiter, allesamt bedürftig einer Pause. Ausgebrannt, ausgestanzt wie die Maschinenteile selbst.

Hier am Pausenhof wurde ausgetauscht, das letzte Fußballspiel, wer hatte es gewonnen? Wer war der nächste Kanzlerkanditat des Stammtisches, wer hatte das Zeug dazu? Von der Runde Kollegen war es Manni, er parolierte nach sechs oder sieben Bier wie eine Enzyklopädie der Heutigkeit . „Hier waren wir und ihr seit da“. Die Kippenpause war vorbei und die Mannschaft machte sich zurück zur Arbeit. Von Energie fast so strotzend erfriffen sie die Maschinen tat-sachlich. Und erneut ergriff Emilio den Hebel, wäre dieser ein Stein gewesen, würde Emilio ihn brechen, doch er hebelte ihn weil er ein Hebel war. Drei Stunden und vierzig Minuten. Zwei Stunden und vierzig Minuten. Zwei Stunden. faustfangend ergriff ihn nun Elan den Hebel zu hebeln doch kurz darauf passierte es, der Hebel klemmte. Emilio war außer sich, es war als sei die Zeit stillgestanden seit 3000 Jahren. Er hörte nichts mehr und spürte nur den kalten Schweiß über seinen nackten Körper schimmern, kribbeln und gleiten. Eingefroren, vereist, kälte. Er kam wieder zu sich, der Vorarbeiter starrte ihn mit Besorgnis erregten Augen an. „Pressen!“. Und der Kreislauf beginnt von vorne.

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